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Wintersport

Wie funktioniert die Zeitmessung im Ski-Weltcup? Hundertstel, Lichtschranken und Back-up-Systeme

So misst der Ski-Weltcup auf Hundertstel: Startkontakt, Lichtschranken, Systeme A und B, Handzeit, Fotofinish und Regeln bei Zeitgleichheit.

Slalomfahrerin passiert ein Tor bei einem Rennen in Trysil
Archivbild: Tonje Sekse beim Slalom 2011 in Trysil. Foto: Ola Matsson / NM i Trysil, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.

Im Ski-Weltcup entscheiden regelmäßig wenige Hundertstelsekunden über Sieg, Podium und die Reihenfolge im zweiten Lauf. Hinter der kleinen Zahl auf dem Bildschirm arbeitet deshalb kein einzelner Stoppmechanismus, sondern ein mehrfach abgesichertes System aus Startkontakt, Lichtschranken, zwei elektronischen Zeitmessanlagen, Handzeit und bei den wichtigsten Rennen zusätzlich Fotofinish.

Wie kicksider.de anhand des aktuellen FIS-Handbuchs zur alpinen Zeitmessung erklärt, ist die offizielle Rennzeit das Ergebnis einer klar geregelten Kette: Der Startstab löst einen Zeitstempel aus, die Ziellichtschranke einen zweiten, anschließend wird die Differenz berechnet. Die Anzeige in Hundertsteln ist dabei nicht die technische Grenze der Geräte, sondern die vom Reglement vorgeschriebene Form des Ergebnisses.

Wie startet und endet die Zeit im Ski-Weltcup?

Am Start öffnet der Athlet den Startstab. Dieser Kontakt sendet getrennte Impulse an zwei voneinander unabhängige Anlagen. Am Ziel stehen ebenfalls zwei getrennte Lichtschrankensysteme. Sobald der Fahrer den Lichtstrahl unterbricht, entsteht ein weiterer Zeitstempel.

Die Rennzeit wird nicht von einer laufenden Stoppuhr abgelesen. Das System zieht vielmehr die Startzeit von der Zielzeit ab. Aus 10:00:00,1327 Uhr am Start und 10:01:30,2599 Uhr im Ziel werden rechnerisch 1:30,1272 Minuten. Erst danach wird die Zeit für das Resultat auf 1:30,12 gekürzt.

Startkontakt und Ziellichtschranke messen also Zeitpunkte; die Laufzeit entsteht erst durch ihre Differenz. Das ist wichtig, weil sich dadurch auch Ersatzzeiten kontrolliert rekonstruieren lassen, wenn ein einzelner Impuls fehlt.

Warum zeigt das Ergebnis nur Hundertstel an?

Die FIS verlangt für alpine Rennen eine Ergebnisgenauigkeit von 0,01 Sekunden. Entscheidend ist das Verfahren: Die weiteren Stellen werden abgeschnitten, nicht mathematisch aufgerundet. Eine gemessene Zeit von 1:30,1299 bleibt daher 1:30,12 und wird nicht zu 1:30,13.

Die Hundertstelsekunde ist die offizielle Wertungseinheit, obwohl die Geräte intern genauer arbeiten können. So entstehen nachvollziehbare und über alle Rennen hinweg vergleichbare Resultate. Genau deshalb können zwei Fahrer offiziell dieselbe Zeit haben, auch wenn ihre internen Messwerte jenseits der Hundertstel nicht identisch wären.

Das erklärt auch, warum ein Vorsprung von 0,01 Sekunden real kleiner als zwei Wimpernschläge ist, aber im Ergebnis vollständig zählt. Ein aktuelles Beispiel lieferte der Riesenslalom in Sölden, bei dem Paula Moltzan mit einer Hundertstelsekunde gewann; den Rennkontext hat kicksider.de im Bericht über Emma Aichers Podestplatz in Sölden zusammengefasst.

Was bedeuten System A und System B?

System A ist die Hauptzeitmessung. System B arbeitet als elektronisches Back-up, muss aber elektrisch getrennt angeschlossen sein: eigener Kontakt am Startstab, eigene Verbindung und eigene Lichtschranke im Ziel. Ein gemeinsamer Fehler soll deshalb nicht beide Messketten gleichzeitig ausschalten.

Vor dem ersten Lauf werden beide Systeme auf dieselbe Tageszeit synchronisiert. Eine Minute später darf die Abweichung höchstens 0,001 Sekunden betragen; liegt sie darüber, muss die Synchronisierung vor dem Start wiederholt werden. Während eines laufenden Durchgangs dürfen die Geräte nicht neu synchronisiert werden.

Die doppelte elektronische Zeitmessung ist keine Komfortfunktion, sondern ein vorgeschriebener Sicherheitsmechanismus. Im Weltcup, bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen muss die elektronische Anlage mit Starttor und Ziellichtschranken verbunden sein. Nach dem Durchgang werden die Resultate der Messsysteme und der Ergebnissoftware gegengeprüft.

Was passiert, wenn die Hauptzeit fehlt?

Fällt ein Impuls von System A aus, wird nicht einfach die angezeigte Zeit aus System B kopiert. Das Reglement verlangt eine sogenannte Equivalent Electronic Time. Dafür wird die typische Differenz zwischen Haupt- und Ersatzsystem anhand der Zeiten von zehn umliegenden Startern bestimmt und als Korrektur auf die Ersatzzeit angewendet.

Ist auch System B nicht verfügbar, kann ein synchronisiertes Fotofinish herangezogen werden. Erst danach kommt die unabhängig geführte Handzeit zum Einsatz. Auch sie wird nicht ungeprüft übernommen, sondern mit einer Korrektur aus Vergleichszeiten angepasst.

Jeder FIS-Wettkampf braucht zusätzlich eine unabhängige Handzeit. Die Zeitnehmer müssen Start und Ziel direkt sehen, und ihre Uhren werden vor dem Lauf mit den elektronischen Anlagen synchronisiert. Bei den höchsten Veranstaltungskategorien ist außerdem ein Fotofinish am Ziel vorgeschrieben.

Die Absicherung ist mehrstufig:

  • System A liefert die reguläre offizielle Zeit.
  • System B ist die elektronische Reserve.
  • Das Fotofinish kann beide elektronischen Systeme ersetzen.
  • Die korrigierte Handzeit bildet die letzte Rückfallebene.

Wann zählt ein Zieleinlauf als gültig?

Bei elektronischer Messung entsteht der Zielimpuls, wenn der Athlet die Lichtschranke unterbricht. Nach einem Sturz unmittelbar an der Linie kann die Zeit bereits ausgelöst werden, bevor beide Füße das Ziel passiert haben. Gültig wird sie aber nur, wenn der Fahrer die Ziellinie anschließend sofort vollständig überquert – mit oder ohne Ski.

Beim Fotofinish gilt der Moment, in dem der erste Körperteil die Ziellinie erreicht. Bei der Handzeit stoppt der Zeitnehmer ebenfalls, sobald irgendein Körperteil die Linie passiert. Ob der Zieleinlauf regelkonform war, entscheidet der Zielrichter.

Eine gemessene Zeit allein garantiert deshalb noch keine Wertung. Wer ein Tor nicht korrekt passiert, kann trotz Zieleinlauf disqualifiziert werden. Die Unterschiede zwischen DNS, DNF und DSQ im Wintersport erklärt ein eigener Ratgeber.

Was passiert bei exakt gleicher Zeit?

Wenn zwei Fahrer nach der vorgeschriebenen Kürzung auf Hundertstel dieselbe Gesamtzeit haben, bleiben sie im Rennen auf derselben Position. Die Weltcup-Regeln 2026/27 sehen vor, dass jeder punktberechtigte Fahrer die Punkte dieses gemeinsamen Rangs erhält. Die folgenden Teilnehmer bekommen die Punkte ihres offiziellen Platzes; die übersprungene Position wird also nicht künstlich aufgefüllt.

Ein Gleichstand wird nicht mit Tausendsteln aufgelöst. Die zusätzliche interne Präzision dient der technischen Kontrolle, nicht einem nachträglichen sportlichen Tie-break. Genau das schützt die Einheitlichkeit des Ergebnisses.

Warum ist die Technik trotz Back-up nicht unsichtbar?

Für Zuschauer wirkt die Zeitmessung meist wie ein sofortiges Endergebnis. Tatsächlich müssen Kabel, Startkontakte, Lichtschranken und Druckprotokolle vor dem Rennen geprüft werden. Die FIS verlangt zudem, dass alle Aufzeichnungen von System A, System B und Handzeit mindestens drei Monate aufbewahrt werden – oder länger, falls ein Einspruch läuft.

Das Verfahren beantwortet eine zentrale Frage: Was ist wichtiger, ein vermeintlich genauer Einzelwert oder ein reproduzierbares Ergebnis? Im Ski-Weltcup gewinnt die nachvollziehbare Kette. Die offizielle Zeit ist nicht nur eine Zahl, sondern ein dokumentierter Messvorgang.

Wer die sportlichen Unterschiede zwischen Abfahrt, Super-G, Riesenslalom und Slalom einordnen möchte, findet sie im Überblick „Abfahrt oder Slalom: was die fünf Disziplinen trennt“. Die Regelerklärung von Olympics.com bestätigt ergänzend, dass im Slalom die addierte Zeit beider Läufe über die Platzierung entscheidet.

Archivbild: Tonje Sekse beim Slalom 2011 in Trysil. Foto: Ola Matsson / NM i Trysil, Lizenz CC BY 2.0, Quelle: Wikimedia Commons.

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