Abfahrt oder Slalom: was die fünf Disziplinen trennt
Fünf Disziplinen, eine Uhr und keine Korrekturmechanik: Was Abfahrt von Super-G trennt und warum Startnummern über Podestplätze entscheiden.

Im alpinen Skisport entscheidet nur eines: die Zeit. Keine Haltungsnoten, keine Windkorrektur, keine Punktrichter. Trotzdem ist Ski alpin komplexer, als es aussieht – weil es fünf verschiedene Disziplinen gibt, die unterschiedliche Athletentypen belohnen, und weil die Weltcup-Wertung parallel in mehreren Kategorien läuft. Diese Übersicht erklärt, was Abfahrt von Super-G unterscheidet, wie Punkte vergeben werden und warum Startnummern über Podestplätze entscheiden können.
Die fünf Disziplinen
| Disziplin | Charakter | Torabstand | Durchgänge | Besichtigung |
|---|---|---|---|---|
| Abfahrt | Speed, höchste Geschwindigkeit | sehr weit | 1 | mehrere Trainingsläufe |
| Super-G | Speed mit mehr Richtungswechseln | weit | 1 | nur Besichtigung, kein Training |
| Riesenslalom | Technik, lange Schwünge | mittel | 2 | Besichtigung |
| Slalom | Technik, kürzeste Schwünge | eng | 2 | Besichtigung |
| Kombination | Speed plus Technik | gemischt | 2 (je einer) | je nach Format |
Die Einteilung folgt einem einfachen Prinzip: Je weiter die Tore auseinanderstehen, desto höher die Geschwindigkeit und desto länger die Kurvenradien. Abfahrt und Super-G heißen deshalb Speed-Disziplinen, Riesenslalom und Slalom technische Disziplinen.
Abfahrt
Die schnellste Disziplin, mit Spitzengeschwindigkeiten deutlich jenseits von 130 km/h und Sprüngen über mehrere Dutzend Meter. Der Höhenunterschied ist im Reglement nach unten und oben begrenzt, die Strecke wird über mehrere Tage in offiziellen Trainingsläufen befahren – das ist die einzige Disziplin, in der die Athleten die Linie vorher üben dürfen. Gefahren wird ein einziger Lauf.
Super-G
Der Super-Riesenslalom kombiniert Abfahrtstempo mit deutlich mehr Toren. Entscheidend ist ein Detail: Es gibt kein Training. Die Athleten sehen die Strecke nur bei der Besichtigung am Morgen, im Rutschen, und müssen sich die Linie merken. Deshalb ist der Super-G die Disziplin mit den größten Leistungsschwankungen – eine Fehleinschätzung in einer Passage kostet sofort eine Sekunde.
Riesenslalom
Zwei Durchgänge auf unterschiedlich gesteckten Kursen, addierte Zeiten. Der Riesenslalom gilt technisch als Königsdisziplin, weil er die sauberste Verbindung aus Kantendruck, Linienwahl und Rhythmus verlangt. Die Materialvorgaben – vor allem der minimale Skiradius – werden hier besonders eng geregelt, weil sie direkt die Belastung der Kniegelenke beeinflussen.
Slalom
Die engste Disziplin, mit Kippstangen, die aktiv weggeschlagen werden. Zwei Durchgänge, addierte Zeiten. Slalom belohnt Reaktionsschnelligkeit und Oberkörperstabilität – und bestraft jeden Fehler doppelt, weil die Ausfallquote in keiner anderen Disziplin so hoch ist.
Kombination
Ein Durchgang in einer Speed-Disziplin, ein Durchgang Slalom, addierte Zeiten. Das Format wurde in den vergangenen Jahren mehrfach umgebaut – unter anderem zu einer Team-Variante, bei der sich zwei Athleten desselben Verbands die beiden Läufe teilen. Welche Fassung in einer konkreten Saison gefahren wird, legt die FIS im Kalender fest.

Die Weltcup-Punkte
Für jedes Rennen erhalten die besten 30 Athleten Punkte nach einer festen Tabelle. Der Sieger bekommt 100 Punkte:
| Platz | Punkte | Platz | Punkte | Platz | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 100 | 11 | 24 | 21 | 10 |
| 2 | 80 | 12 | 22 | 22 | 9 |
| 3 | 60 | 13 | 20 | 23 | 8 |
| 4 | 50 | 14 | 18 | 24 | 7 |
| 5 | 45 | 15 | 16 | 25 | 6 |
| 6 | 40 | 16 | 15 | 26 | 5 |
| 7 | 36 | 17 | 14 | 27 | 4 |
| 8 | 32 | 18 | 13 | 28 | 3 |
| 9 | 29 | 19 | 12 | 29 | 2 |
| 10 | 26 | 20 | 11 | 30 | 1 |
Daraus entstehen mehrere Wertungen gleichzeitig:
- Gesamtweltcup. Alle Rennen aller Disziplinen. Der Sieger erhält die große Kristallkugel – die wichtigste Trophäe der Saison, weil sie Vielseitigkeit über acht Monate belohnt.
- Disziplinenwertungen. Je eine kleine Kristallkugel für Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom und – je nach Saisonformat – Kombination.
- Nationenwertung. Punkte aller Athletinnen und Athleten eines Landes zusammen.
Die Punktestaffelung erklärt eine Eigenheit des Sports: Ein Spezialist, der in seiner Disziplin dominiert, kann den Gesamtweltcup kaum gewinnen. Wer 100 Punkte in zehn Slaloms holt, kommt auf 1000 – ein Allrounder, der in vier Disziplinen regelmäßig zwischen Platz drei und sechs landet, sammelt mehr.
Die Startnummer: mehr als eine Formalie
Im alpinen Skisport verändert sich die Piste während des Rennens. Das macht die Startreihenfolge zu einem echten sportlichen Faktor.
- Technische Disziplinen, erster Durchgang. Die besten 15 der Weltcup-Startliste losen ihre Nummern unter sich aus und starten zuerst – auf der besten Piste, bevor Spurrillen entstehen.
- Technische Disziplinen, zweiter Durchgang. Die besten 30 des ersten Laufs starten in umgekehrter Reihenfolge. Wer nach Lauf eins führt, fährt zuletzt – auf der am stärksten zerfahrenen Piste.
- Speed-Disziplinen. Hier gilt die klassische Reihenfolge nach Weltcup-Punkten, weil die Piste bei Abfahrten nicht so schnell leidet. Bei starkem Schneefall kann das Gegenteil eintreten, dann sind späte Nummern im Nachteil.
Genau dieser Mechanismus sorgt für die häufigsten Diskussionen nach Rennen mit wechselnden Bedingungen. Anders als im Skispringen, wo Wind und Anlauf rechnerisch ausgeglichen werden – nachzulesen in unserem Text zu den Punkten im Skispringen –, gibt es im alpinen Sport keinerlei Korrekturmechanismus. Die Zeit ist die Zeit.

Wann ein Lauf ungültig ist
Die häufigsten Gründe für eine Disqualifikation oder Nichtwertung:
- Torfehler. Beide Skispitzen und beide Füße müssen die Torlinie passieren. Wird ein Tor ausgelassen oder falsch umfahren, folgt die Disqualifikation.
- Einfädler. Ein Bein auf der falschen Seite der Stange – im Slalom die klassische Ausfallursache.
- Materialverstoß. Unterschreitung der vorgeschriebenen Skilänge oder des Mindestradius, unzulässige Standhöhe.
- Rennabbruch. Bei Nebel, Wind oder Schneefall. Wurde der erste Durchgang bereits vollständig gefahren, kann ein Rennen mit nur einem Lauf gewertet werden; sonst wird es annulliert oder verschoben.
Im alpinen Skirennen gibt es keine Jury, die einem hilft. Es gibt nur eine Uhr, die nicht diskutiert.
Gängige Beschreibung des Unterschieds zu bewerteten Wintersportarten
Die Saison und die Klassiker
Der Weltcup läuft von Ende Oktober bis Mitte März und beginnt traditionell mit einem Gletscherrennen. Dazwischen liegen Stationen, die über Jahrzehnte gewachsen sind und ihren eigenen Status haben – die Abfahrt in Kitzbühel, das Nachtslalom-Publikum in Schladming, die Rennen in Wengen, Val d’Isère und Garmisch-Partenkirchen. In der Mitte der Saison steht je nach Jahr eine Weltmeisterschaft oder das olympische Turnier.
Am Saisonende folgt das Weltcup-Finale, bei dem nur noch die besten 25 jeder Disziplin sowie die Führenden der Juniorenwertung starten. Dort gibt es dieselbe Punkteverteilung, aber ein kleineres Feld – weshalb Entscheidungen um kleine Kristallkugeln oft bis zum letzten Lauf offen bleiben.
Übertragungen in Deutschland
Alpiner Skisport gehört in Deutschland zu den Wintersportarten mit hoher Free-TV-Präsenz, ergänzt durch Streaming. Welche Rennen wo laufen, sammeln wir laufend in der Rubrik Sport im TV.
Wer die Wertungslogik anderer Wintersportarten vergleichen möchte: Im Biathlon addieren sich Laufzeit und Schießfehler zu einem Ergebnis, wie unser Text zu den Biathlon-Regeln zeigt; im Langlauf entscheidet zusätzlich die vorgeschriebene Technik, erklärt in Langlauf: klassisch oder Skating.
Stand: Saison 2026/27. Punkteverteilung, Startlistenregeln und Materialvorgaben legt die FIS im gültigen Reglement fest; unser Umgang damit steht unter So arbeiten wir.
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