Wer fährt für Deutschland ins Olympia-Rennen? Berlin, München und KölnRheinRuhr vor dem DOSB-Votum
Olympia-Bewerbung 2036, 2040 oder 2044: Berlin, München und KölnRheinRuhr stehen vor der DOSB-Entscheidung. Konzepte, Sportstätten, Rückhalt, Tickets und Unterschiede im Vergleich am 26. September.

Die Olympia-Bewerbung Deutschland 2036 geht am 26. September 2026 in Baden-Baden in ihre entscheidende nationale Phase. Der Deutsche Olympische Sportbund wählt auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zwischen Berlin+, München und KölnRheinRuhr den Standort aus, der Deutschland anschließend im internationalen Verfahren um Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 vertreten soll. Die Sitzung beginnt nach Angaben des DOSB um 9 Uhr im Kurhaus Baden-Baden. Drei Konzepte treffen aufeinander, die dasselbe Ziel verfolgen, dafür aber unterschiedliche Wege bei Sportstätten, Verkehrswegen, Zuschauerpotenzial, Stadtentwicklung und gesellschaftlicher Unterstützung wählen. Die Entwicklung bis zur Abstimmung begleitet auch das unabhängige Sportmedium kicksider.de mit aktuellen Meldungen und Hintergründen.
Berlin setzt auf seine Rolle als internationale Metropole, bekannte Schauplätze und einen hohen Anteil vorhandener Arenen. München baut sein Modell um den Olympiapark von 1972 auf und verspricht besonders kurze Wege zwischen Dorf und Wettkampfstätten. KölnRheinRuhr verteilt die Wettbewerbe dagegen über eine ganze Sportregion, stellt große Stadionkapazitäten und ein Ticketpotenzial von bis zu 17,6 Millionen Plätzen in den Mittelpunkt. Hinzu kommt ein weiterer Unterschied: München und die beteiligten Kommunen in Nordrhein-Westfalen können konkrete Abstimmungsergebnisse aus der Bevölkerung vorlegen, während Berlin seine politische und gesellschaftliche Unterstützung über andere Beteiligungs- und Beschlussverfahren dokumentiert. Genau diese unterschiedlichen Strukturen machen die nationale Auswahl mehr als zu einem Vergleich dreier Städtebilder.
DOSB-Entscheidung am 26. September bestimmt Deutschlands Olympia-Kandidaten
Die DOSB Entscheidung 26. September 2026 beendet zunächst nur den deutschen Auswahlprozess. Der ausgewählte Bewerber erhält nicht automatisch Olympische Spiele, sondern soll für Deutschland in den späteren internationalen Dialog mit dem Internationalen Olympischen Komitee gehen. Der DOSB bewertet die im Juni eingereichten Konzepte gemeinsam mit den olympischen Spitzenverbänden anhand einer Bewertungsmatrix, die nach Angaben des Verbandes zusammen mit dem Bund entwickelt wurde. Die nationale Auswahl soll damit sportfachliche, infrastrukturelle und organisatorische Aspekte zusammenführen.
„Ziel des nationalen Prozesses ist es, die deutsche Bewerbung auszuwählen, der die höchsten internationalen Erfolgsaussichten zugesprochen werden.“ (DOSB, Fragenkatalog zum nationalen Bewerbungsverfahren, zitiert im rbb24-Vergleich vom 11. September 2026)
Bis zur Abstimmung sind vor allem fünf Punkte für den Vergleich der Konzepte konkret:
- Welche bereits vorhandenen Sportstätten können ohne große Neubauprogramme genutzt werden?
- Wie lang sind die Wege zwischen Olympischem Dorf, Trainingsanlagen und Wettkampfstätten?
- Welche Zuschauerzahlen und Ticketkapazitäten sind realistisch vorgesehen?
- Welche langfristige Nutzung ist für Dorf, temporäre Arenen und Infrastruktur geplant?
- Wie belastbar ist die dokumentierte Zustimmung in Bevölkerung, Sportverbänden und zuständigen politischen Gremien?
Der deutsche Beschluss am 26. September legt den Kandidaten fest, nicht das Austragungsjahr 2036, 2040 oder 2044.
Die drei Bewerbungen beantworten diese Fragen mit deutlich verschiedenen räumlichen Modellen. Berlin und München besitzen jeweils einen historischen Olympiapark und können zahlreiche Wettbewerbe um bestehende Großanlagen gruppieren. KölnRheinRuhr versteht dagegen die gesamte Region als Austragungsraum und nutzt die hohe Dichte großer Fußballstadien, Hallen und weiterer Sportstätten zwischen Rhein und Ruhr. Im internationalen Verfahren müsste jedes dieser Modelle anschließend in die Anforderungen und den Zeitplan des IOC eingeordnet werden.
Berlin, München und KölnRheinRuhr im direkten Olympia-Vergleich
Der zentrale Unterschied liegt weniger in einzelnen Arenen als in der Architektur der drei Bewerbungen. Die Berlin Olympia-Bewerbung konzentriert das sichtbare Zentrum der Spiele auf die Hauptstadt und bindet Brandenburg, Sachsen sowie Mecklenburg-Vorpommern als Partnerländer ein. München stellt die Kompaktheit rund um Olympiapark und Olympisches Dorf heraus. Die KölnRheinRuhr Olympia-Bewerbung baut auf einem regionalen Netzwerk aus Städten und bereits stark ausgelasteten Sportstandorten auf.
| Punkt | Berlin+ | München | KölnRheinRuhr |
|---|---|---|---|
| Grundmodell | Hauptstadt mit Partnerländern | Kompaktes Zentrum um Olympiapark | Mehrere Städte einer Sportregion |
| Olympische Historie | Sommerspiele 1936 | Sommerspiele 1972 | Noch keine Sommerspiele als Region |
| Sportstätten | Berliner Senat nennt 97 % bereits bestehende Anlagen | Rund die Hälfte der Sportarten im Olympiapark, 90 % der Sportstätten unter 30 Minuten vom Dorf entfernt | Offizielle Bewerbung nennt 15 Städte sowie bestehende oder temporäre Anlagen |
| Zuschaueransatz | Große etablierte Arenen und zentrale Stadträume | Kompakte Arenenstruktur und „Olympische Wiesn“ | Bis zu 17,6 Millionen Tickets vorgesehen |
| Rückhalt | Beschlüsse und Beteiligungsformate | 66,4 % Ja beim Bürgerentscheid 2025 | 66 % Zustimmung bei Ratsbürgerentscheiden 2026 |
| Leitmotiv | Berlin als international sichtbare Host City | „Spiele mit Herz und Seele“ | „Unsere Städte. Unsere Spiele.“ |
Die Angaben zeigen keine automatische Rangfolge. Eine hohe Zahl vorhandener Anlagen kann Investitionsbedarf reduzieren, sagt für sich allein aber noch nichts über Sanierungskosten oder Betriebsanforderungen. Kurze Wege vereinfachen Abläufe, während größere regionale Kapazitäten mehr Zuschauer aufnehmen können. Genau deshalb besteht die DOSB-Prüfung aus mehreren Kriterien und nicht aus einer einzelnen Kennzahl.
Berlin+ verbindet Olympiastadion, Hauptstadtbilder und Partnerländer
Berlin plant die Spiele mit dem Olympiastadion und dem bestehenden Olympiapark als sportlichem Kern, will die Veranstaltung aber deutlich in die Stadt hineinziehen. Zum Host-City-Konzept gehören nach den veröffentlichten Plänen ein „Olympischer Parcours“ durch zentrale Bereiche sowie eine mögliche Eröffnungsfeier auf dem Tempelhofer Feld. Medaillenzeremonien am Brandenburger Tor gehören ebenfalls zu den beschriebenen Elementen des Konzepts. Das Berliner Modell versucht damit, Sportstätten und weltweit bekannte Stadtorte miteinander zu verbinden.
Der Berliner Senat bezifferte im Mai 2026 den Anteil bereits bestehender Sportstätten auf 97 Prozent. Die offizielle BERLIN+-Seite formuliert breiter und erklärt, mehr als 90 Prozent der Anlagen existierten bereits oder würden lediglich temporär benötigt. Wettbewerbe außerhalb Berlins sollen unter anderem in Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern stattfinden. Der Ansatz reduziert den Bedarf, jede Disziplin innerhalb der Stadtgrenzen unterbringen zu müssen.
Berliner Olympisches Dorf soll Teil der Stadtentwicklung werden
Ein Schwerpunkt liegt auf der späteren Nutzung des Olympischen und Paralympischen Dorfes. Berlin verknüpft das Projekt mit der Entwicklung neuer Wohn- und Stadtbereiche und argumentiert damit nicht nur sportlich, sondern städtebaulich. Hinzu kommen Erfahrungen aus Großveranstaltungen wie den Special Olympics World Games 2023, dem DFB-Pokalfinale, dem Berlin-Marathon, ISTAF und der Fußball-Europameisterschaft 2024. Das vom Nutzer bereitgestellte Vergleichsmaterial nennt außerdem die Basketball-Weltmeisterschaft der Frauen 2026 als aktuelles Beispiel für Berlins Veranstaltungsportfolio.
„Olympia und Paralympics gehören in die Hauptstadt.“ (BERLIN+, offizielle Bewerbungsseite, Bewerbung für 2036, 2040 oder 2044)
Berlins Konzept verbindet vorhandene Großsportstätten mit einem Host-City-Modell, das zentrale Plätze und Straßen ausdrücklich in die Spiele einbezieht.
München setzt bei der Olympia-Bewerbung auf kurze Wege
Die München Olympia-Bewerbung beginnt praktisch dort, wo die Spiele von 1972 noch heute sichtbar sind. Der Olympiapark soll wieder das Zentrum bilden und nach Angaben der Stadt rund die Hälfte der vorgesehenen Sportarten aufnehmen. Für 90 Prozent der Sportstätten gibt München eine Reisezeit von weniger als 30 Minuten vom Olympischen Dorf an. Mehr als 90 Prozent der Athletinnen und Athleten sollen im Dorf untergebracht werden können.
Das Konzept wurde 2026 noch einmal angepasst. München reduzierte unter anderem die Zahl temporärer Hallen am Messegelände und überarbeitete die Planung der Fußballturniere, damit auch deren Teams stärker in das zentrale olympische Geschehen eingebunden werden können. Als mögliche Ergänzungssportarten sind Baseball beziehungsweise Softball, Cricket, Flag Football, Lacrosse und Squash in der Planung berücksichtigt. Auf der Theresienwiese sieht das Konzept zudem eine „Olympische Wiesn“ auf einem Teil des Geländes vor.
München verbindet Olympisches Dorf mit neuem Wohnquartier
Das geplante Dorf soll in die langfristige Entwicklung des Münchner Nordostens eingebettet werden. Nach den Spielen ist eine Umwandlung in ein gemischt genutztes und barrierefreies Stadtquartier vorgesehen. München präsentiert Olympia damit nicht als isoliertes Bauprojekt, sondern versucht notwendige Unterkünfte mit bereits bestehender Stadtplanung zu verbinden.
„Spiele mit Herz und Seele“ (Olympiabewerbung München, offizielles Konzept für Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044) lautet die zentrale Formel der Bewerbung.
Für die gesellschaftliche Legitimation besitzt München eine klar messbare Zahl. Beim Bürgerentscheid vom 26. Oktober 2025 stimmten 305.349 Menschen und damit 66,4 Prozent der gültig Abstimmenden für eine Bewerbung. 154.359 Stimmen beziehungsweise 33,6 Prozent entfielen auf Nein; die Beteiligung lag bei 42 Prozent.
KölnRheinRuhr baut die Spiele um große Stadien und Zuschauerzahlen
KölnRheinRuhr verfolgt das räumlich breiteste Modell. Nach dem aktuellen offiziellen Konzept bildet Köln die Leading City, während weitere Austragungsorte ihre bestehenden Arenen und Sportanlagen einbringen. Die Bewerbung nennt 15 Städte im Konzept und erklärt, sämtliche benötigten Anlagen seien bereits vorhanden oder temporär vorgesehen. Auf der aktuellen Projektseite wird ein mögliches Ticketvolumen von bis zu 17,6 Millionen genannt.
Die Verteilung über die Region verlängert nicht automatisch jede Strecke, schafft aber andere logistische Anforderungen als ein konzentrierter Olympiapark. Das Konzept setzt deshalb auf vorhandene Verkehrsachsen und die hohe Dichte großer Veranstaltungsstätten. Im eingereichten Vergleichsmaterial wird beispielsweise die Veltins-Arena in Gelsenkirchen als möglicher „Aquatic Dome“ für Schwimmwettbewerbe beschrieben. Für die Leichtathletik sieht das Konzept dagegen eine temporäre Lösung im Kölner Norden vor, deren Fläche anschließend für Wohnnutzung weiterentwickelt werden soll.

66 Prozent Zustimmung geben KölnRheinRuhr ein Abstimmungsergebnis
Am 19. April 2026 fanden in den beteiligten Kommunen Ratsbürgerentscheide statt. Die Bewerbung beziffert die Zustimmung auf 66 Prozent bei rund 1,4 Millionen abgegebenen Stimmen. Auch Kiel, das als möglicher Segelstandort eingebunden werden kann, stimmte am selben Tag ab: Das vorläufige amtliche Ergebnis der Stadt weist 63,5 Prozent für die Olympiabewerbung und 36,5 Prozent dagegen aus.
„Unsere Städte. Unsere Spiele.“ (KölnRheinRuhr, offizielle Bewerbungskampagne, 2026)
Das Rhein-Ruhr-Modell tauscht maximale räumliche Konzentration gegen große vorhandene Zuschauerkapazitäten und eine Verteilung der Wettbewerbe auf mehrere Sportstädte.
Olympia 2036, 2040 oder 2044: Was am 26. September tatsächlich entschieden wird
Der DOSB muss in Baden-Baden keinen fertigen Gastgeber für die Olympischen Spiele Deutschland 2040 bestimmen. Die Delegierten entscheiden, welches deutsche Konzept in den internationalen Prozess weitergeht. Auch das konkrete Austragungsjahr bleibt offen: Berlin, München und KölnRheinRuhr treten national mit Perspektiven für 2036, 2040 oder 2044 an. Erst nach der deutschen Auswahl folgen die entscheidenden internationalen Schritte mit dem IOC.
Sportlich können alle drei Bewerbungen auf Erfahrungen mit Großveranstaltungen verweisen. München veranstaltete 2022 die European Championships und war 2025 Gastgeber des Champions-League-Finales. Berlin richtet regelmäßig das DFB-Pokalfinale, den Marathon und internationale Leichtathletikveranstaltungen aus und war 2023 Gastgeber der Special Olympics World Games. In Nordrhein-Westfalen fanden in den vergangenen Jahren unter anderem internationale Hochschulspiele sowie Welt- und Europameisterschaften in verschiedenen Sportarten statt. Diese Erfahrung ist ein Teil des Gesamtbildes, ersetzt aber die Prüfung von Finanzierung, Infrastruktur, Nachnutzung und operativer Machbarkeit nicht.
Auch die internationalen Bilder unterscheiden sich. Berlin kann Brandenburger Tor, Olympiastadion und eine weltweit bekannte Hauptstadtmarke einsetzen. München besitzt mit dem Olympiapark einen weiterhin genutzten olympischen Ort und verbindet ihn mit der Erinnerung an 1972. KölnRheinRuhr argumentiert weniger über ein einzelnes ikonisches Zentrum als über eine dicht besiedelte Sportregion mit großen Arenen und hohen Kapazitäten. Der rbb24-Vergleich vom 11. September ordnet Berlin beim internationalen Bekanntheitsgrad einen Vorteil zu; das ist eine journalistische Bewertung des Ausgangsmaterials und kein veröffentlichtes DOSB-Ranking.
Entscheidend wird deshalb sein, wie die DOSB-Mitglieder die verschiedenen Stärken innerhalb der festgelegten Bewertungsstruktur gewichten. Berlin bringt ein stark zentralisiertes Host-City-Bild und viele bestehende Anlagen ein. München liefert ein besonders kompaktes Wegekonzept sowie ein direktes Bürgerentscheid-Ergebnis. KölnRheinRuhr verbindet große Zuschauerpotenziale, regionale Sportinfrastruktur und mehrere positive kommunale Abstimmungen. Einen nationalen Kandidaten gibt es erst mit dem Beschluss am 26. September 2026 in Baden-Baden.
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Verwendete Materialien: rbb24-Vergleich zu Berlin, München und KölnRheinRuhr vom 11. September 2026 , Deutscher Olympischer Sportbund , BERLIN+ , Olympiabewerbung München , Olympiabewerbung KölnRheinRuhr
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