Zwei Rennen, zwei Ergebnisse, ein Wochenende
Jeder Renntag ist in sich abgeschlossen: eigenes Qualifying, eigenes Rennen, eigene Punkte. Dazu ein Ausgleichssystem, das dauerhaft für Streit sorgt.

Die DTM hat in ihrer Geschichte dreimal die Fahrzeugklasse gewechselt und zweimal den Veranstalter – geblieben ist der Name und das Grundversprechen: seriennah aussehende Autos, kurze Rennen, volle Ränge. Seit dem Wechsel auf GT3-Technik fährt sie mit Fahrzeugen, die es weltweit gibt, und mit einem Ausgleichssystem, das für viele Zuschauer der erklärungsbedürftigste Teil ist. Dieser Text erklärt Rennformat, Punkte, Pflichtstopps und die Balance of Performance.
Das Wochenende in Kurzform
| Tag | Programm | Besonderheit |
|---|---|---|
| Freitag | freie Trainings | Abstimmung, keine Wertung |
| Samstag | Qualifying 1, Rennen 1 | ein Pflicht-Boxenstopp |
| Sonntag | Qualifying 2, Rennen 2 | zwei Pflicht-Boxenstopps |
Zwei vollwertige Rennen pro Wochenende, jedes mit eigenem Qualifying und eigener Punktwertung – das ist der auffälligste Unterschied zur Formel 1, wo ein Wochenende ein Ergebnis liefert. Beide Rennen sind gleich lang und laufen über eine feste Zeitspanne plus eine abschließende Runde, nicht über eine feste Distanz.
Das Zeitformat hat einen praktischen Grund: Es macht die Übertragung planbar. Ein Rennen endet ungefähr dann, wann es angekündigt war – anders als bei Distanzrennen, deren Dauer vom Rennverlauf abhängt.
Das Qualifying
Vor jedem Rennen steht ein eigenes Qualifying von rund zwanzig Minuten, in dem alle Autos gleichzeitig auf der Strecke sind. Gewertet wird die schnellste Einzelrunde. Es gibt keine Ausscheidungssegmente wie in der Formel 1 – wer eine freie Runde erwischt, steht vorn.
Genau das macht Verkehrsmanagement zur Hauptaufgabe: Bei einem vollen Feld auf einer kurzen Strecke ist eine wirklich freie Runde die Ausnahme. Wie die Formel 1 dasselbe Problem mit Segmenten löst, steht in unserem Text zum Formel-1-Qualifying.
Für die vordersten Qualifying-Plätze gibt es zusätzlich Punkte – wenige, aber genug, um ein enges Meisterschaftsjahr zu entscheiden.

Die Punktwertung
Gewertet werden deutlich mehr Plätze als in der Formel 1 – bis weit ins Feld hinein. Die Abstufung ist oben steil und wird nach unten flach:
| Platz | 1. | 2. | 3. | 4. | 5. | 6. | … | 15. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 25 | 20 | 16 | 13 | 11 | 10 | absteigend | 1 |
Die breite Verteilung hat einen sportlichen Effekt: Auch das Mittelfeld kämpft in jedem Rennen um etwas. In einer Serie mit Leistungsausgleich, in der die Abstände ohnehin klein sind, hält das die Meisterschaft lange offen.
Balance of Performance – der umstrittenste Teil
GT3-Fahrzeuge unterscheiden sich technisch fundamental: Mittelmotor gegen Frontmotor, Saugmotor gegen Turbo, Heckantrieb mit ganz unterschiedlichen Gewichtsverteilungen. Ohne Eingriff würde ein Konzept auf einer bestimmten Streckenart dominieren.
Die Balance of Performance, kurz BoP, gleicht das aus. Angepasst werden typischerweise:
- Mindestgewicht – zusätzlicher Ballast für schnelle Fahrzeuge.
- Motorleistung – über Luftmengenbegrenzer oder Steuergerät.
- Aerodynamik – über die zulässige Stellung des Heckflügels.
- Tankvolumen – wirkt indirekt über die Stoppstrategie.
Die Werte werden vor jeder Veranstaltung veröffentlicht und können sich von Strecke zu Strecke unterscheiden. Genau daran entzündet sich die Dauerkritik: Wer schnell ist, wird gebremst; wer gewinnt, gilt als bevorzugt behandelt, bis die nächste Anpassung kommt.
Die Gegenrechnung ist allerdings deutlich: Ohne BoP gäbe es kein Feld aus einem Dutzend Marken, sondern ein Feld aus einer. Die Systematik dahinter beschreibt unser Text zu den Motorsport-Serien im Überblick.
Balance of Performance ist der Preis dafür, dass zwölf Hersteller auf derselben Strecke Sinn ergeben. Wer sie abschafft, bekommt schnellere Rennen mit weniger Autos.
Gängige Einordnung des Ausgleichssystems
Boxenstopps und Reifen
Der Pflichtstopp ist das strategische Herz der DTM. Weil die Rennen kurz sind, verschiebt jeder Stopp die Reihenfolge massiv – und weil am Sonntag zwei Stopps vorgeschrieben sind, entsteht ein zusätzliches Fenster.
Anders als in der Formel 1 arbeitet die Crew mit deutlich weniger Personal, und die Standzeiten liegen entsprechend höher. Auch das Tempolimit in der Boxengasse und die Länge der Gasse selbst spielen eine größere Rolle, weil der Anteil am Gesamtrennen größer ist. Die Mechanik dahinter erklärt unser Text zum Boxenstopp.
Bei den Reifen gibt es einen Einheitslieferanten und ein festes Kontingent an Slicksätzen je Fahrer und Veranstaltung. Das Kontingent ist knapp genug bemessen, dass im Training gespart werden muss.

Warum die DTM dreimal neu anfing
Die Serie hat eine ungewöhnlich bewegte Geschichte, und sie erklärt, warum die heutigen Regeln so aussehen:
- Die erste Ära arbeitete mit stark modifizierten Serienfahrzeugen und endete an explodierenden Kosten.
- Die zweite Ära setzte auf eigens gebaute Prototypen im Seriengewand. Das brachte spektakuläre Autos – und die Abhängigkeit von wenigen Herstellern, die nacheinander ausstiegen.
- Die dritte Ära übernahm GT3 als Basis. Der Vorteil: Die Autos existieren unabhängig von der Serie, Teams können sie kaufen, und ein Ausstieg eines Herstellers trifft nicht mehr das ganze Feld.
Der Preis dafür ist ein Stück Eigenständigkeit. GT3-Fahrzeuge fahren in vielen Serien weltweit, und wer nur das Auto sieht, erkennt nicht mehr sofort, welche Meisterschaft läuft.
Häufige Fragen
Was heißt DTM eigentlich?
Der Name stand ursprünglich für „Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft“, später für „Deutsche Tourenwagen Masters“. Heute wird er als eigenständige Marke geführt.
Sind DTM-Autos Serienfahrzeuge?
Nein. GT3-Fahrzeuge basieren auf Serienmodellen, sind aber vollständige Rennwagen mit Käfig, Renngetriebe und Rennaerodynamik.
Wie lange dauert ein Rennen?
Knapp eine Stunde – eine feste Zeitspanne plus eine abschließende Runde, sobald die Zeit abgelaufen ist.
Gibt es Teamorder?
Absprachen zwischen Teamfahrern sind ein wiederkehrendes Reizthema und werden im Reglement je nach Ausgabe unterschiedlich streng behandelt. Maßgeblich ist die aktuelle Fassung.
Auf welchen Strecken wird gefahren?
Überwiegend auf deutschen Kursen, ergänzt um Gastspiele im benachbarten Ausland. Der Kalender wird jährlich neu festgelegt.
Gilt dieselbe Flaggenordnung wie in der Formel 1?
Ja, die Signalsprache ist international einheitlich. Die Übersicht steht in unserem Text zu den Flaggen im Motorsport.
Stand: Saison 2026. Rennformat, Punkteschema, Pflichtstopps, Reifenkontingent und die BoP-Parameter legt der Veranstalter je Saison und teils je Veranstaltung fest; maßgeblich ist das aktuelle sportliche Reglement. Unser Umgang damit steht unter So arbeiten wir.
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