Zwei Versuche, eine Linie: der Aufschlag
Diagonal ins gegenüberliegende Feld, zwei Versuche, kein Schritt auf die Linie – und ein Netzroller, der nichts kostet.

Der Aufschlag ist der einzige Schlag im Tennis, bei dem ein Spieler die volle Kontrolle hat: kein Gegner stört, der Ball liegt in der eigenen Hand, die Zeit läuft nicht. Und er ist der einzige, für den es zwei Versuche gibt. Dieser Text erklärt, wohin der Ball muss, wann ein Fußfehler vorliegt, was bei einem Netzroller passiert – und warum ein Doppelfehler statistisch teurer ist, als er sich anfühlt.
Die Grundregeln
- Diagonal ins Aufschlagfeld. Der Ball muss in das gegenüberliegende Aufschlagfeld fallen – von rechts nach links und umgekehrt.
- Hinter der Grundlinie. Der Aufschläger steht hinter der Linie, zwischen Mittelmarkierung und Seitenlinie.
- Zwei Versuche. Der erste Aufschlag darf misslingen, ohne dass der Punkt verloren ist.
- Wechsel nach jedem Punkt. Begonnen wird rechts, danach abwechselnd links und rechts.
- Wechsel nach jedem Spiel. Das Aufschlagrecht geht an den Gegner.
Die Seite, von der aufgeschlagen wird, ergibt sich also direkt aus dem Punktestand – wer die Zählweise kennt, weiß immer, wo der Aufschläger steht. Die Systematik dahinter steht in unserem Text zur Tennis-Zählweise.
Der Fußfehler
Die am häufigsten übersehene Regel im Amateurbereich. Ein Fußfehler liegt vor, wenn der Aufschläger während der Aufschlagbewegung – also vom Ausholen bis zum Treffen des Balls:
- die Grundlinie berührt oder überschreitet,
- die gedachte Verlängerung der Mittelmarkierung oder der Seitenlinie überschreitet,
- geht oder läuft – kleine Fußbewegungen sind erlaubt, ein Schritt nach vorn nicht.
Entscheidend ist der Zeitpunkt: Nach dem Treffen des Balls darf der Aufschläger ins Feld laufen. Genau deshalb sehen viele Aufschläge wie ein Fußfehler aus, ohne einer zu sein – der Sprung nach vorn beginnt erst, wenn der Ball die Saiten schon verlassen hat.
Ein Fußfehler zählt wie ein verfehlter Aufschlag: Beim ersten Versuch folgt der zweite, beim zweiten ist der Punkt verloren.

Netzroller und Wiederholung
Berührt der Ball auf dem Weg das Netz und fällt anschließend korrekt ins Aufschlagfeld, wird der Aufschlag wiederholt. Im Deutschen heißt das Netzaufschlag, international Let.
Wichtig sind die Abgrenzungen:
| Situation | Folge |
|---|---|
| Netzberührung, Ball landet im Aufschlagfeld | Wiederholung des Aufschlags |
| Netzberührung, Ball landet außerhalb | Fehler |
| Netzberührung während eines Ballwechsels | keine Bedeutung, Spiel läuft |
| Ball trifft den Rückschläger vor dem Aufsetzen | Punkt für den Aufschläger |
| Rückschläger nicht bereit | Wiederholung |
Die dritte Zeile überrascht Einsteiger regelmäßig: Während eines laufenden Ballwechsels ist eine Netzberührung völlig normal und wird nicht geahndet. Nur beim Aufschlag löst sie die Wiederholung aus.
In einigen Wettbewerbsformaten wird ganz auf die Wiederholung verzichtet – dort ist der Netzaufschlag regulär im Spiel. Diese Variante beschleunigt Matches und wird vor allem im College-Tennis und bei Schnellformaten eingesetzt.
Der zweite Aufschlag
Der zweite Versuch verändert das Spiel grundlegend, weil ein Fehler nun den Punkt kostet. Fast alle Spieler reduzieren deshalb Tempo und erhöhen den Spin, damit der Ball sicherer ins Feld fällt.
Das hat eine messbare Folge: Die Quote gewonnener Punkte liegt beim zweiten Aufschlag deutlich unter der des ersten – bei Profis typischerweise um 20 bis 30 Prozentpunkte. Statistiker nennen das die wichtigste einzelne Kennzahl des Aufschlagspiels.
Ein Doppelfehler – beide Versuche im Aus – schenkt dem Gegner einen Punkt, ohne dass ein Ballwechsel stattgefunden hat. Psychologisch wiegt er schwerer als ein verlorener Ballwechsel, weil er ausschließlich selbst verschuldet ist. In Tiebreaks ist er besonders teuer, wie unser Text zum Tiebreak zeigt.
Die Zeitregel
Zwischen zwei Punkten gilt eine Frist von 25 Sekunden, angezeigt durch eine sichtbare Uhr. Überschreitet der Aufschläger sie, folgt bei den meisten Wettbewerben eine Verwarnung, bei Wiederholung der Verlust des ersten Aufschlags.
Die Regel wurde eingeführt, weil das Ritual vor dem Aufschlag – Ball prellen, Handtuch, Positionswechsel – bei manchen Spielern erheblich Zeit kostete. Sie ist einer der wenigen Punkte im Tennis, an denen eine Uhr direkt ins Spiel eingreift.
Der Aufschlag ist der einzige Schlag, den man nur gegen sich selbst verlieren kann.
Gängige Formulierung in der Tennisausbildung
Das Aufschlagspiel als Struktur des Sports
Weil der Aufschlag nach jedem Spiel wechselt, entsteht die Grundlogik des Tennis: Wer sein eigenes Aufschlagspiel gewinnt, hält den Satz offen. Wer das Aufschlagspiel des Gegners gewinnt, hat ein Break – und damit praktisch den Satz.
Wie stark dieser Vorteil ist, hängt stark vom Untergrund ab:
- Rasen. Flacher, schneller Absprung – der Aufschlag dominiert, Breaks sind selten.
- Hartplatz. Mittleres Tempo, ausgewogenes Verhältnis.
- Sand. Hoher, langsamer Absprung – der Rückschläger hat mehr Zeit, Breaks sind häufiger.
Genau deshalb sehen Sätze auf Rasen und auf Sand statistisch völlig verschieden aus. Die Unterschiede im Detail stehen in Tennis-Beläge im Vergleich.

Der Aufschlag im Doppel
Im Doppel gilt die Reihenfolge über das gesamte Match: Jedes Team legt zu Satzbeginn fest, wer zuerst aufschlägt, und die vier Spieler wechseln sich anschließend in fester Folge ab. Ein Spieler schlägt also nur jedes vierte Spiel auf.
Der Partner steht dabei meist am Netz und darf sich frei bewegen – er darf die Sicht des Rückschlägers allerdings nicht absichtlich blockieren. Die Aufschlagfelder und ihre Maße ändern sich im Doppel nicht; breiter wird nur das Feld für den Ballwechsel, wie unser Text zu den Tennisplatz-Maßen zeigt.
Häufige Fragen
Darf man von unten aufschlagen?
Ja. Die Regeln schreiben keine Aufschlagbewegung vor. Der Unterhandaufschlag ist regelkonform und wird gelegentlich taktisch eingesetzt, wenn der Rückschläger sehr weit hinten steht.
Was passiert, wenn der Ball beim Hochwerfen nicht geschlagen wird?
Fängt der Aufschläger den Ball oder lässt ihn fallen, ohne einen Schlagversuch zu unternehmen, gilt das nicht als Fehler – er darf neu ansetzen.
Wer entscheidet über einen knappen Aufschlag?
Auf der Tour zunehmend die Technik. Wie die elektronische Linienüberwachung arbeitet und wo sie eingesetzt wird, steht in unserem Text zu Hawk-Eye im Tennis.
Gibt es eine Mindestzahl an Aufschlägen pro Satz?
Nein. Wer alle Aufschlagspiele verliert, schlägt entsprechend selten auf – ein 6:0 gegen den eigenen Aufschlag bedeutet drei eigene Aufschlagspiele.
Stand: 2026. Zeitregeln und Sonderformate wie der Verzicht auf die Netzaufschlag-Wiederholung werden von Verbänden und Turnieren festgelegt; maßgeblich ist die jeweilige Ausschreibung. Unser Umgang damit steht unter So arbeiten wir.
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