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Icing im Eishockey: Warum der Pfiff oft vor der Puckberührung kommt

Was Hybrid-Icing bedeutet, welche Linie zählt und warum ein Team anschließend meist nicht wechseln darf: der Ablauf nach IIHF-Regeln 2026/27 mit DEB-Hinweisen und NHL-Archivvideo.

Ein Linienrichter und zwei Spieler beim Anspiel zwischen Texas Stars und Milwaukee Admirals im März 2022
Archivfoto: Ross Bonander / Texas Stars Hockey, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0. Texas Stars gegen Milwaukee Admirals, März 2022. Verkleinert und in WebP umgewandelt.

Ein langer Befreiungsschlag, zwei Spieler sprinten hinterher – und plötzlich unterbricht der Pfiff das Rennen. Niemand hat den Puck berührt. Bei Icing im Eishockey kann genau das die richtige Entscheidung sein. Wer die Szene verstehen möchte, muss drei Dinge auseinanderhalten: den Ausgangspunkt des Pucks, die Einschätzung des Laufduells und die Folgen der Unterbrechung.

Die Redaktion von kicksider.de erklärt den Ablauf anhand von Regel 81 des IIHF-Regelbuchs 2026/27 und der aktuellen Hinweise des Deutschen Eishockey-Bundes. Die Erläuterung bezieht sich auf dieses Regelwerk. Für Nachwuchs-, Freizeit- oder andere Wettbewerbe sollte zusätzlich die jeweilige Wettbewerbsordnung geprüft werden.

Von welcher Linie aus zählt ein unerlaubter Weitschuss?

Ausgangspunkt ist die rote Mittellinie. Befördert eine Mannschaft bei gleicher oder größerer Spielerzahl den Puck aus der eigenen Spielfeldhälfte über die gegnerische Torlinie außerhalb des Tores, entsteht eine mögliche Icing-Situation. Ob tatsächlich unterbrochen wird, hängt anschließend vom Laufduell und den Ausnahmen ab.

Entscheidend ist dabei der letzte Puckkontakt der Mannschaft. Um die Mittellinie regelgerecht zu erreichen, muss der Puck am Schläger die rote Linie berühren. Ein Schlittschuh jenseits der Linie genügt nicht. Beim Anschauen einer Wiederholung lohnt sich deshalb der Blick auf den Schläger und den Puck: Die Position des Oberkörpers allein beantwortet die Frage nicht.

Warum wird Hybrid-Icing schon vor dem Kontakt gepfiffen?

Beim Hybrid-Icing schätzt die Linesperson zunächst ein, ob der Puck die Torlinie überschreiten wird. Danach beurteilt sie, welcher Spieler ihn voraussichtlich zuerst erreichen würde. Spätestens wenn der erste Läufer mit dem Schlittschuh die Höhe der Anspielpunkte im Enddrittel erreicht, muss die Entscheidung fallen. Würde der Verteidiger zuerst an den Puck kommen, wird auf Icing entschieden; bei einem klaren Vorsprung des Angreifers läuft das Spiel weiter. Lässt sich ein enges Rennen nicht eindeutig beurteilen, wird auf Icing entschieden.

Die Anspielpunkte sind somit eine Entscheidungsmarke. Es geht um den erwarteten ersten Puckkontakt, nicht schlicht darum, wer zuerst auf Höhe der Punkte ankommt. Das ist besonders anschaulich, wenn der Puck an der Bande entlangläuft und seine Richtung verändert: Laufweg und Puckweg müssen gemeinsam betrachtet werden.

Den Sicherheitsgedanken dokumentiert die gemeinsame Einführung durch NHL und NHLPA zur Saison 2013/14. Nach einem Test in der Vorbereitung unterstützte eine Mehrheit der Teams die Änderung. Ziel war, Verletzungen bei Icing-Szenen zu verringern. Daraus lässt sich ohne zusätzliche Daten allerdings keine konkrete Verringerung der Verletzungszahlen ableiten.

Was passiert nach dem Icing-Pfiff?

Es folgt ein Bully im Verteidigungsdrittel der verursachenden Mannschaft. Die andere Mannschaft darf den Anspielpunkt auswählen. Für das Team, das den Puck unerlaubt weit geschossen hat, gilt grundsätzlich ein Wechselverbot bis zu diesem Anspiel. Welche Spieler betroffen sind, richtet sich nach dem Moment, in dem der Puck den Schläger verlässt.

Die IIHF erlaubt begrenzte Ausnahmen, etwa für einen verletzten Spieler, einen beschädigten Schlittschuh oder die Rückkehr des Torhüters anstelle eines zusätzlichen Angreifers. Auch eine Strafe, die die Spielerzahl einer Mannschaft verändert, kann einen Wechsel erlauben. Ein normaler Austausch einer ganzen Reihe wird daraus nicht.

Die praktische Folge: Der weite Schlag beendet den Angriff des Gegners zunächst, bringt der verursachenden Mannschaft aber keinen frei verfügbaren Personalwechsel. Wie Reihen grundsätzlich zusammenspielen, erläutert unser Beitrag über Aufstellung und fliegende Wechsel im Eishockey.

Wann läuft das Spiel trotz eines langen Pucks weiter?

Die folgenden Fälle werden auch in der unabhängigen Erläuterung zu den IIHF-Icing-Regeln unterschieden:

SituationFolge nach IIHF-Regel 81
Die schießende Mannschaft spielt in Unterzahl.Der lange Puck führt unter dieser Voraussetzung nicht zu Icing.
Ein gegnerischer Spieler berührt den Puck.Die mögliche Icing-Situation entfällt.
Ein gegnerischer Feldspieler könnte den Puck vor der Torlinie spielen, verzichtet aber darauf.Die Linesperson lässt weiterspielen.
Der Torhüter fährt zum Puck, versucht ihn zu spielen oder täuscht dies an.Auch ohne Puckkontakt entfällt das mögliche Icing.

Beim Torhüter ist der Zweck seiner Bewegung wichtig: Verlässt er den Torraum ausschließlich auf dem Weg zur Bank für einen zusätzlichen Angreifer, ohne den Puck spielen zu wollen, hebt das allein ein mögliches Icing nicht auf. Ebenso wenig genügt die bloße Beobachtung, dass er außerhalb seines Torraums steht.

Welche Details betont der DEB für 2026/27?

In seinen Regelhinweisen vom 16. September 2026 nennt der DEB zwei Punkte, die Zuschauer nach einer Icing-Szene erkennen können. Die vordere Linesperson zeigt die Unterbrechung mit einem gehobenen Arm an. Außerdem gilt beim anschließenden Bully eine Besonderheit: Begeht der Center einen Anspielverstoß, wird er zunächst verwarnt und darf am zweiten Anspiel teilnehmen; der gewöhnliche Austausch des Centers findet hier nicht statt.

Der Verband bezeichnet Teile der Saisonanpassungen ausdrücklich als sprachliche Präzisierungen. Ein Hinweis im neuen Regelüberblick bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der gesamte Icing-Ablauf neu eingeführt wurde. Für die Einordnung einer Szene zählt die konkrete Regel, nicht allein das Erscheinungsdatum einer Zusammenfassung.

Icing im Video: ein Einstieg aus dem NHL-Archiv

Die vierte Folge von „Hockey 101 with Snoop Dogg“ erschien am 2. Mai 2018 auf dem offiziellen NHL-Kanal. Das Archivvideo bietet einen Einstieg ins Thema; für die hier erläuterten aktuellen IIHF-Details bleibt das Regelbuch 2026/27 maßgeblich.

Falls der Player nicht angezeigt wird: Icing-Erklärung auf dem offiziellen NHL-YouTube-Kanal ansehen.

Für die nächste Übertragung hilft eine einfache Beobachtung: erst den letzten Puckkontakt an der Mittellinie prüfen, dann mögliche Ausnahmen und das Laufduell betrachten. Erst danach lässt sich beurteilen, warum gepfiffen wurde und welche Mannschaft wechseln darf.

Titelbild: Ross Bonander / Texas Stars Hockey, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0. Archivaufnahme eines Anspiels zwischen Texas Stars und Milwaukee Admirals im März 2022; kein Beleg für einen Icing-Pfiff. Für die Darstellung verkleinert und in WebP umgewandelt; das Foto bleibt unter CC BY-SA 2.0.

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