Warum im DFB-Pokal der Kleine zu Hause spielt
Der Modus des Pokals begünstigt Überraschungen nicht zufällig – er ist ausdrücklich dafür gebaut worden.

Ein Regionalligist empfängt einen Bundesligisten, das Stadion ist zu klein, die Stimmung zu groß – und am Ende fliegt der Favorit raus. Der DFB-Pokal produziert solche Abende nicht zufällig, sondern weil sein Modus sie begünstigt. Dieser Text erklärt, wer teilnimmt, wie die Auslosung funktioniert, warum der unterklassige Verein Heimrecht bekommt und was passiert, wenn nach 90 Minuten kein Sieger feststeht.
Das Grundprinzip
Der DFB-Pokal ist ein reines K.-o.-Turnier. Es gibt keine Gruppenphase, keine Hin- und Rückspiele und keine Wiederholungspartien. Wer verliert, ist raus – ab der ersten Runde.
Der Wettbewerb umfasst sechs Runden:
| Runde | Teilnehmer | Partien |
|---|---|---|
| 1. Hauptrunde | 64 | 32 |
| 2. Hauptrunde | 32 | 16 |
| Achtelfinale | 16 | 8 |
| Viertelfinale | 8 | 4 |
| Halbfinale | 4 | 2 |
| Finale | 2 | 1 |
Ein Verein braucht also sechs Siege für den Titel – deutlich weniger als die 34 Spieltage einer Ligasaison. Genau diese Kürze ist der Grund, warum der Pokal für kleinere Klubs realistischer ist als jede Ligaplatzierung.
Wer teilnimmt
Die 64 Startplätze setzen sich aus mehreren Quellen zusammen:
- Alle Vereine der Bundesliga und der 2. Bundesliga. Sie sind automatisch qualifiziert.
- Die besten Vereine der 3. Liga nach der Vorsaison.
- Die Sieger der Landespokale. Jeder Landesverband stellt mindestens einen Teilnehmer – über diesen Weg kommen Amateurvereine ins Turnier.
- Zusatzplätze für die mitgliederstärksten Landesverbände.
Die exakte Verteilung legt der DFB vor jeder Saison fest; sie kann sich verschieben, wenn Vereine auf- oder absteigen. Wichtig ist das Prinzip: Jeder Landesverband ist vertreten. Dadurch stehen in der ersten Runde regelmäßig Vereine aus der fünften oder sechsten Spielklasse auf dem Platz.

Die Auslosung und die Lostöpfe
In den ersten beiden Runden wird nicht frei gelost, sondern aus zwei getrennten Töpfen:
- Profitopf. Vereine der Bundesliga und der 2. Bundesliga.
- Amateurtopf. Landespokalsieger, Drittligisten und Regionalligisten.
Jedem Verein aus dem Amateurtopf wird ein Gegner aus dem Profitopf zugelost, solange der Topf reicht. Das ist kein Zufallsprodukt, sondern ausdrückliche Absicht: Der Modus soll kleinen Vereinen ein großes Heimspiel garantieren – sportlich und wirtschaftlich.
Zusätzlich wird nach Regionen unterteilt, damit sich die Partien geografisch ausgewogen verteilen. Ab dem Achtelfinale entfällt die Trennung: Dann werden alle verbliebenen Vereine in einen Topf gelegt und frei gelost.
Das Heimrecht – die wichtigste Regel des Wettbewerbs
Trifft ein unterklassiger Verein auf einen höherklassigen, hat immer der Unterklassige Heimrecht. Diese Regel gilt in allen Runden bis zum Halbfinale.
Ihre Wirkung ist schwer zu überschätzen:
- Der Platz. Kleinere Stadien haben oft engere Spielfelder und andere Rasenqualität – beides erschwert das Kombinationsspiel technisch überlegener Teams.
- Die Atmosphäre. Ein ausverkauftes Stadion mit 8.000 Zuschauern kann lauter wirken als eine halb gefüllte Arena mit 40.000.
- Das Geld. Für viele Amateurvereine sind die Einnahmen aus einem einzigen Pokalspiel höher als der gesamte Jahresetat.
Spielt ein kleiner Verein in einem zu kleinen Stadion, darf er in eine größere Arena ausweichen – das Heimrecht bleibt trotzdem bei ihm. Das Spiel findet dann zwar nicht auf dem eigenen Platz statt, aber als Heimspiel mit der eigenen Zuschauerverteilung.
Und im Finale?
Das Endspiel ist die Ausnahme. Es wird seit Jahrzehnten an einem festen Ort in Berlin ausgetragen, unabhängig davon, welche Vereine sich qualifizieren. Ein Heimvorteil existiert dort formal nicht – auch wenn ein Berliner Finalist praktisch einen hätte.
Wenn nach 90 Minuten kein Sieger feststeht
Der Ablauf ist in jeder Runde identisch:
- 90 Minuten plus Nachspielzeit. Wie diese zustande kommt, erklärt unser Text zur Nachspielzeit.
- Verlängerung über zweimal 15 Minuten, mit einer zusätzlichen Auswechselmöglichkeit.
- Elfmeterschießen, wenn es danach immer noch unentschieden steht.
Es gibt kein Wiederholungsspiel – anders als historisch im englischen FA Cup, wo Unentschieden lange neu angesetzt wurden. Der deutsche Modus entscheidet immer am selben Abend.

Was der Pokalsieger bekommt
Neben dem Titel drei Dinge:
- Einen Europapokalplatz. Der Sieger ist für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert. Hat er sich bereits über die Liga qualifiziert, rückt in der Bundesliga der nächste Verein nach – deshalb verschiebt der Pokal regelmäßig die Europaplätze, wie im Bundesliga-Modus beschrieben.
- Die Teilnahme am Supercup, dem Spiel gegen den Deutschen Meister vor Saisonbeginn.
- Prämien, die sich mit jeder Runde erhöhen und bereits in der ersten Runde für Amateurvereine erheblich sind.
Im Pokal braucht ein Verein nicht die beste Mannschaft der Saison. Er braucht die beste Mannschaft an sechs Abenden.
Gängige Erklärung für die Häufigkeit von Pokalüberraschungen
Warum Überraschungen im Pokal so häufig sind
Der Modus multipliziert mehrere Effekte:
- Ein Spiel statt zwei. Über 90 Minuten spielt Zufall eine größere Rolle als über eine Doppelrunde.
- Heimrecht für den Außenseiter. Genau dort, wo der Unterschied am größten ist, wird er am stärksten abgefedert.
- Terminlage. Die erste Runde liegt am Saisonbeginn, wenn Bundesligisten noch nicht in Form sind; spätere Runden liegen in englischen Wochen mit hoher Belastung.
- Rotation. Favoriten schonen Spieler für die Liga – eine rationale Entscheidung, die im K.-o.-System teuer werden kann.
Häufige Fragen
Können zwei Amateurvereine aufeinandertreffen?
In den ersten beiden Runden nur dann, wenn der Amateurtopf mehr Vereine enthält als der Profitopf. Ab dem Achtelfinale ist jede Paarung möglich.
Gibt es Sperren aus der Liga im Pokal?
Verwarnungen werden getrennt geführt, Rote Karten können wettbewerbsübergreifend wirken. Die Einzelheiten stehen in unserem Text zu gelben Karten und Sperren.
Wird im Pokal der Videobeweis eingesetzt?
In den Runden, die in Stadien mit entsprechender Technik stattfinden – also nicht überall ab der ersten Runde. Was der Video-Assistent prüfen darf, erklärt unser Text zum Videobeweis.
Gibt es einen Pokal für Frauen?
Ja, der DFB-Pokal der Frauen wird nach vergleichbarem K.-o.-Prinzip ausgetragen und hat ein eigenes Finale.
Stand: Saison 2026/27. Teilnehmerzahlen, Lostopfregeln und Prämien legt der DFB vor jeder Spielzeit neu fest; unser Umgang mit solchen Regelwerken steht unter So arbeiten wir.
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