Wann gibt es im Handball Siebenmeter? Regeln, Ausführung und typische Irrtümer
Wann gibt es Siebenmeter im Handball? Der Ratgeber erklärt klare Torchancen, korrekte Ausführung, Torwartlinie und Wiederholung.

Der Siebenmeter wirkt im Handball wie ein einfacher Strafwurf: ein Werfer, ein Torwart, sieben Meter Abstand. Regeltechnisch steckt jedoch mehr dahinter. Entscheidend ist nicht, ob ein Foul spektakulär aussieht oder nahe am Tor passiert, sondern ob eine klare Torgelegenheit regelwidrig verhindert wurde.
Wie kicksider.de unter Berufung auf die aktuelle Regelauslegung des DHB-Schiedsrichterportals erklärt, stellt der Wurf die verlorene Torchance wieder her. Er ist deshalb nicht automatisch die persönliche Strafe für den Verteidiger. Eine Verwarnung, Zwei-Minuten-Strafe oder Disqualifikation wird getrennt nach der Art des Vergehens beurteilt.
Archivfoto: Juri Knorr beim Wurf im Länderspiel Deutschland gegen Ungarn am 19. Juli 2024; keine Aufnahme zu einem aktuellen Regelentscheid. Foto: © Max Petershans / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons).
Wann entscheiden die Schiedsrichter auf Siebenmeter?
Nach Regel 14 gibt es einen Siebenmeter im Handball, wenn ein Spieler oder Mannschaftsoffizieller der verteidigenden Mannschaft eine klare Torchance regelwidrig vereitelt. Das kann im Torraum geschehen, aber ebenso an einer anderen Stelle des Spielfelds. Der Ort des Fouls allein entscheidet also nicht.
Auch ein unberechtigter Pfiff, das Eingreifen einer nicht am Spiel beteiligten Person oder höhere Gewalt können einen Siebenmeter auslösen, wenn genau dadurch die unmittelbare Torchance verloren geht. Besondere Bestimmungen gelten zudem für bestimmte Vergehen in den letzten 30 Sekunden einer Partie.
Die Schiedsrichter sollen zunächst abwarten, ob der Angreifer Ball und Körper trotz des Kontakts kontrolliert. Erzielt er trotzdem ein Tor, wird kein zusätzlicher Siebenmeter gegeben. Verliert er die Kontrolle und ist die Chance damit beendet, ist der Siebenmeter die richtige Spielfortsetzung. Das ist derselbe Vorteilsgedanke, der auch in anderen Spielsituationen gilt.
Wer die Grundlagen des Sports einordnen möchte, findet im Kicksider-Ratgeber zu den wichtigsten Handballregeln auch Erklärungen zu Torraum, Schritten, Zeitspiel und Strafen.
Was ist eine klare Torgelegenheit?
Eine klare Torgelegenheit liegt vereinfacht vor, wenn ein Spieler den Ball und seinen Körper so kontrolliert, dass er ohne das regelwidrige Eingreifen unmittelbar und ungehindert auf das Tor werfen könnte. Dazu zählen etwa ein freier Durchbruch, eine kontrollierte Wurfposition am Kreis oder eine Situation mit leerem Tor.
Nicht jeder Körperkontakt erfüllt diese Voraussetzung. Wird ein Angreifer seitlich gehalten, kann aber weiterhin sinnvoll passen oder werfen, prüfen die Schiedsrichter, ob die Chance tatsächlich zerstört wurde. Ist sie nicht klar oder bleibt sie bestehen, kommen Freiwurf und gegebenenfalls eine persönliche Strafe in Betracht. Deshalb ist der Satz „Foul am Kreis bedeutet immer Siebenmeter“ falsch.
| Situation | Regelentscheidung |
|---|---|
| Klare Torchance wird regelwidrig beendet | Siebenmeter; persönliche Strafe separat prüfen |
| Angreifer erzielt trotz des Vergehens ein Tor | Tor zählt, kein zusätzlicher Siebenmeter |
| Kontakt ohne klare Torchance | Meist Freiwurf; mögliche progressive Bestrafung |
| Abwehrspieler betritt den Torraum und verhindert dadurch die klare Chance | Siebenmeter |
| Abwehrspieler betritt den Torraum ohne entscheidenden Vorteil | Freiwurf |
So wird der Siebenmeter korrekt ausgeführt
Nach dem Pfiff muss der Wurf innerhalb von drei Sekunden als Torwurf ausgeführt werden. Der Werfer steht hinter der Siebenmeterlinie, höchstens einen Meter von ihr entfernt. Bevor der Ball die Hand verlassen hat, darf er die Linie weder berühren noch überschreiten. Ein Teil desselben Fußes muss bis zur Ballabgabe Kontakt mit dem Boden behalten; ein Sprungwurf nach vorn ist daher nicht erlaubt.
Die Mitspieler des Werfers müssen außerhalb der Freiwurflinie bleiben. Gegnerische Feldspieler stehen ebenfalls außerhalb dieser Linie und mindestens drei Meter von der Siebenmeterlinie entfernt. Diese Positionen müssen bis zur Ballabgabe eingehalten werden.
Der Torwart darf nach vorn kommen, aber die Vier-Meter-Linie vor der Ballabgabe nicht überschreiten. Er darf die Linie berühren. Solange ein Fuß auf oder hinter der Linie Bodenkontakt hält, kann sich ein anderer Körperteil in der Luft weiter vorn befinden. Sobald der Werfer mit dem Ball korrekt bereitsteht, darf die verteidigende Mannschaft den Torwart nicht mehr wechseln; ein Versuch gilt als unsportliches Verhalten.
Der Werfer oder ein Mitspieler darf den Ball nach der Ausführung erst wieder spielen, wenn er einen Gegner – dazu gehört der Torwart – oder das Tor berührt hat. Ein direkter Nachwurf nach einem Abpraller ist somit möglich, sofern diese Voraussetzung erfüllt ist. Wie Torwart und Abwehr im normalen Spiel zusammenspielen, erklärt der Beitrag über die Positionen im Handball.
Wann wird ein Siebenmeter wiederholt?
Der Siebenmeter wird wiederholt, wenn der Torwart seine Grenzlinie zu früh überschreitet und der Ball nicht ins Tor geht. Gleiches gilt, wenn ein Gegenspieler zu früh in den verbotenen Bereich läuft oder den vorgeschriebenen Abstand nicht einhält und der Wurf erfolglos bleibt. Geht der Ball trotzdem ins Tor, zählt der Treffer; die Regel wendet den Vorteil an.
Verstößt dagegen die angreifende Mannschaft gegen die Positionsregeln, gibt es Freiwurf für den Gegner. Berührt oder überschreitet der Werfer die Siebenmeterlinie vor der Ballabgabe, ist der Versuch ebenfalls beendet. Ein automatisches Time-out gehört nicht zum Ablauf. Die Schiedsrichter können die Uhr bei einer erheblichen Verzögerung anhalten, beispielsweise wenn ein notwendiger Wechsel länger dauert.
Seit der zum 1. Juli 2025 geltenden IHF-Anpassung führt ein Kopftreffer beim Siebenmeter unter genau definierten Voraussetzungen zu einer Zwei-Minuten-Strafe gegen den Werfer und nicht mehr automatisch zur Roten Karte. Voraussetzung ist unter anderem, dass der Werfer unbehindert ist und der Torwart seinen Kopf nicht aktiv in Richtung Ball bewegt, um den Wurf abzuwehren. Die IHF erläutert diese Änderung als Vereinheitlichung mit vergleichbaren Kopftreffern aus dem laufenden Spiel.
Warum die Siebenmeterquote allein wenig erklärt
Eine perfekte Ausbeute kann ein enges Spiel entscheiden, sagt aber ohne Kontext wenig über die gesamte Angriffsleistung. Wichtig sind auch die Zahl der herausgespielten Chancen, der Zeitpunkt der Würfe und die Frage, ob verschiedene Werfer Verantwortung übernehmen. Beim 36:33 von Dessau gegen Leipzig waren neun verwandelte Siebenmeter ein entscheidender Faktor – neben 16 Paraden und der Schlussphase.
Für Zuschauer ist daher die wichtigste Unterscheidung: Der Siebenmeter ersetzt eine zerstörte klare Torchance; die persönliche Strafe bewertet das Vergehen. Wer diese beiden Entscheidungen trennt, versteht auch, warum ähnliche Kontakte manchmal Siebenmeter, manchmal Freiwurf und manchmal Vorteil bedeuten.
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