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Timo Boll vor der Tischtennis-EM: Warum Deutschlands Männer keinen klaren Favoriten haben

Timo Boll warnt vor einer offenen Tischtennis-EM in Ljubljana. Das deutsche Aufgebot verbindet vier erfahrene Medaillenkandidaten mit drei jungen Herausforderern.

Timo Boll bei der Tischtennis-Europameisterschaft 2022 in München
Archivfoto: Timo Boll bei der Europameisterschaft 2022 in München. Foto: Sandro Halank / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Vor dem Start der Tischtennis-EM 2026 in Ljubljana hat Timo Boll die deutsche Ausgangslage deutlich nüchterner beschrieben, als es die lange Erfolgsbilanz des DTTB vermuten lässt. Deutschlands Männer reisen mit mehreren Medaillenkandidaten an, aber ohne den einen Spieler, der das Feld klar überragt.

Wie kicksider.de unter Berufung auf die offizielle Aufgebotsvorstellung der Europäischen Tischtennis-Union berichtet, besteht das deutsche Männerteam aus Dang Qiu, Benedikt Duda, Dimitrij Ovtcharov, Patrick Franziska, Andre Bertelsmeier, Wim Verdonschot und Kay Stumper. Die Einzel-Europameisterschaft läuft vom 11. bis 18. Oktober in der Arena Stožice.

Boll ordnete im am 9. Oktober veröffentlichten Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland ein, wie stark sich die Kräfteverhältnisse verändert haben. Deutschland verfügt weiterhin über erfahrene Spitzenspieler, doch andere europäische Nationen haben ihre Qualität und Breite deutlich erhöht. Ein klarer deutscher Favorit lässt sich daraus nicht ableiten.

Qiu, Duda und Ovtcharov bringen verschiedene Argumente mit

Dang Qiu führt das siebenköpfige Aufgebot an. Der Europameister von 2022 kommt mit Selbstvertrauen nach Slowenien: Beim WTT Star Contender in Astana gewann er den Titel und schlug dabei auch den amtierenden Europameister Alexis Lebrun. Dieser Erfolg macht Qiu zu einem ernsthaften Kandidaten, ersetzt aber keine Prognose für ein Turnier mit K.-o.-System.

Benedikt Duda erreichte bei der EM 2024 das Finale, blieb 2026 bei WTT-Turnieren nach Angaben der ETTU jedoch bislang spätestens im Achtelfinale hängen. Für ihn geht es deshalb nicht nur um die Erinnerung an Linz, sondern um den Nachweis, dass er seine stärkste Phase erneut abrufen kann.

Dimitrij Ovtcharov besitzt mit zwei Einzeltiteln und insgesamt sechs Einzelmedaillen die größte EM-Erfahrung im Team. Patrick Franziska ergänzt das Quartett der etablierten Spieler. Beide können weit kommen, doch die aktuelle Leistungsdichte macht schon frühe Runden gefährlich.

Warum der deutsche Kader trotzdem mehr als Erfahrung bietet

Die junge Generation erhält in Ljubljana eine echte Bühne. U21-Europameister Andre Bertelsmeier war bereits 2024 im Achtelfinale, U21-Vizeeuropameister Wim Verdonschot gibt sein Debüt bei einer Erwachsenen-EM. Auch Kay Stumper tritt erstmals bei einer Einzel-EM an. Damit verbindet Deutschland unmittelbare Medaillenchancen mit einem Test für die Zeit nach Boll.

Der entscheidende Punkt ist daher nicht, ob Deutschland noch zur europäischen Spitze gehört. Das offizielle Aufgebot zeigt eindeutig, dass die Mannschaft auf mehreren Positionen konkurrenzfähig ist. Offen bleibt vielmehr, wer an einem einzelnen Turniertag das Niveau von Alexis Lebrun, Felix Lebrun, Truls Möregardh oder dem slowenischen Heimspieler Darko Jorgic erreicht. Eine ähnliche Verschiebung an der Weltspitze hatte kicksider.de bereits beim Wechsel auf Platz eins der Tischtennis-Weltrangliste eingeordnet.

Für die Bewertung des Turniers ist deshalb Vorsicht sinnvoll: Ein frühes Ausscheiden eines Namens wäre nicht automatisch ein deutscher Einbruch, und eine Medaille wäre angesichts der breiten Konkurrenz kein Selbstläufer. Die EM beginnt mit der Qualifikation am Sonntag; die Einzelentscheidungen fallen am 18. Oktober.

Archivfoto: Timo Boll bei der Europameisterschaft 2022 in München. Foto: Sandro Halank / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

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