Vier Turniere, drei Beläge, ein Kalenderjahr
Vier Turniere stehen über allem: zwei Wochen statt einer, 128 Spieler statt 32 und bei den Herren fünf Sätze statt drei.

Vier Turniere im Jahr stehen im Tennis über allem: Sie dauern zwei Wochen statt einer, vergeben doppelt so viele Ranglistenpunkte wie das nächstgrößere Format und werden bei den Herren über fünf statt drei Sätze gespielt. Australian Open, French Open, Wimbledon und US Open heißen zusammen Grand Slam – und dieser Text erklärt, was sie unterscheidet, warum sie auf drei verschiedenen Belägen stattfinden und was der Begriff eigentlich genau bedeutet.
Die vier Turniere
| Turnier | Ort | Zeitraum | Belag |
|---|---|---|---|
| Australian Open | Melbourne | Januar | Hartplatz |
| French Open (Roland-Garros) | Paris | Mai bis Juni | Sand |
| Wimbledon | London | Juni bis Juli | Rasen |
| US Open | New York | August bis September | Hartplatz |
Die Reihenfolge ist seit Jahrzehnten stabil und strukturiert die gesamte Saison: Der Jahresauftakt in Australien, die Sandplatzsaison mit Höhepunkt in Paris, die kurze Rasensaison mit Wimbledon und die Hartplatzphase in Nordamerika.
Dass drei verschiedene Beläge vorkommen, ist eine Besonderheit, die kaum eine andere Sportart kennt. Ein Spieler muss dreimal im Jahr sein Spiel umstellen – Absprunghöhe, Tempo und Laufwege ändern sich fundamental. Wie stark, erklärt unser Text zu den Tennis-Belägen.
Was die Grand Slams größer macht
Fünf strukturelle Unterschiede zu allen anderen Turnieren:
- Zwei Wochen Spielzeit. Jedes andere Turnier dauert eine Woche.
- 128 Spieler im Hauptfeld. Sieben Runden bis zum Titel, plus Qualifikation davor.
- Best of five bei den Herren. Drei Gewinnsätze statt zwei – ein anderer Sport, wie unser Text zur Matchdauer zeigt.
- 2000 Ranglistenpunkte für den Sieg, doppelt so viel wie beim nächstgrößeren Format – die Systematik steht in ATP- und WTA-Punkte.
- Eigene Veranstalter. Die vier Turniere gehören nicht ATP oder WTA, sondern nationalen Verbänden. Sie setzen viele Regeln selbst.
Der letzte Punkt erklärt, warum sich Detailregeln zwischen den Turnieren jahrzehntelang unterschieden – etwa beim Entscheidungssatz, der erst 2022 vereinheitlicht wurde, wie unser Text zum Tiebreak beschreibt.

Die Turniere im Einzelnen
Australian Open
Der Jahresauftakt, gespielt im australischen Hochsommer. Hitze ist der bestimmende Faktor: Die Veranstalter arbeiten mit einer Hitzeregel, die Pausen oder das Schließen der Dächer auslösen kann. Mehrere Plätze sind überdacht, sodass das Turnier wetterunabhängig durchläuft.
French Open
Das einzige Sandplatzturnier der vier und damit das körperlich anspruchsvollste. Lange Ballwechsel, hoher Absprung, Gleiten in der Bewegung – Matches dauern hier im Schnitt am längsten. Die Anlage trägt den Namen eines französischen Flugpioniers, weshalb im Französischen fast nie von den French Open gesprochen wird, sondern von Roland-Garros.
Wimbledon
Das älteste Tennisturnier der Welt, gegründet im 19. Jahrhundert, und das einzige der vier auf Rasen. Es hat eine Reihe von Eigenheiten, die es sonst nirgends gibt:
- Weiße Kleidung ist vorgeschrieben – eine Regel, die regelmäßig für Diskussionen sorgt und über die Jahre nur in Details gelockert wurde.
- Ein spielfreier Sonntag war lange Tradition in der Mitte des Turniers; inzwischen wird durchgespielt.
- Der Rasen verändert sich im Turnierverlauf. In der zweiten Woche sind die Flächen hinter den Grundlinien braun und stumpf, was das Spiel spürbar verlangsamt.
US Open
Das lauteste der vier Turniere und das mit der größten Anlage. Gespielt wird auf Hartplatz, häufig bis in die Nacht – Sessions unter Flutlicht sind ein fester Bestandteil. Das US Open war das erste Grand-Slam-Turnier, das Männern und Frauen dasselbe Preisgeld zahlte.
Was der Begriff genau bedeutet
Hier kommt es auf Präzision an, weil drei verschiedene Dinge oft vermischt werden:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Grand-Slam-Turnier | eines der vier großen Turniere |
| Grand Slam | alle vier Titel im selben Kalenderjahr |
| Karriere-Grand-Slam | alle vier Titel, verteilt über die Karriere |
| Golden Slam | alle vier Titel plus olympisches Gold im selben Jahr |
Ein echter Grand Slam im Kalenderjahr ist extrem selten – er ist in der offenen Ära nur sehr wenige Male gelungen. Der Karriere-Grand-Slam ist häufiger, aber immer noch eine Auszeichnung, die eine Laufbahn definiert.
Umgangssprachlich wird der Begriff dagegen oft für ein einzelnes Turnier verwendet: „Er hat einen Grand Slam gewonnen“ meint fast immer einen der vier Titel, nicht alle vier. Sprachlich ungenau, aber inzwischen üblich.
Vier Titel in einem Jahr auf drei Belägen zu gewinnen, verlangt nicht das beste Tennis – es verlangt drei verschiedene beste Tennis.
Verbreitete Einordnung der Schwierigkeit eines Kalenderjahr-Grand-Slams

Wettbewerbe innerhalb eines Turniers
Ein Grand-Slam-Turnier ist nicht ein Wettbewerb, sondern ein ganzes Bündel:
- Einzel der Damen und Herren, je 128 Teilnehmer
- Doppel der Damen und Herren, je 64 Paarungen
- Mixed-Doppel
- Juniorenkonkurrenzen
- Rollstuhltennis in mehreren Klassen
- Legenden- und Einladungswettbewerbe
Dazu kommt die Qualifikation in der Woche davor, bei der sich Spieler aus den unteren Ranglistenbereichen die letzten Hauptfeldplätze erspielen. Für viele Profis ist genau diese Woche der wirtschaftlich entscheidende Teil der Saison – warum, erklärt unser Text zu den Turnierkategorien.
Übertragung in Deutschland
Die vier Turniere laufen in Deutschland traditionell verteilt auf mehrere Anbieter, teils frei empfangbar, teils im Bezahlfernsehen – und die Zuordnung ändert sich mit jedem Rechtezyklus. Wie Rechtepakete überhaupt geschnitten werden, erklärt unser Text zu den Sport-Übertragungen in Deutschland; die tagesaktuelle Zuordnung sammeln wir in der Rubrik Sport im TV.
Häufige Fragen
Warum gibt es genau vier?
Historisch: Es waren die Meisterschaften der vier Länder, die den frühen Amateurtennissport dominierten. Der Begriff Grand Slam stammt aus dem Kartenspiel Bridge und wurde in den 1930er-Jahren auf Tennis übertragen.
Sind die Punkte bei allen vier gleich?
Ja, alle vier vergeben dieselbe Punktzahl. Sie unterscheiden sich in Preisgeld, Zuschauerkapazität und Prestige, nicht in der Ranglistenwertung.
Warum spielen Frauen nicht über fünf Sätze?
Historisch gewachsen, regelmäßig diskutiert und bislang unverändert. Auf der Tour spielen beide über drei Gewinnsätze; der Unterschied besteht nur bei den Grand Slams.
Kann man sich für ein Grand-Slam-Turnier bewerben?
Der Zugang läuft über die Weltrangliste, die Qualifikation und Wildcards, die der Veranstalter frei vergibt. Wildcards gehen häufig an einheimische Spieler oder Rückkehrer nach Verletzungen.
Stand: Saison 2026. Termine, Formate und Nebenwettbewerbe legen die vier Veranstalter eigenständig fest und passen sie regelmäßig an; maßgeblich sind deren aktuelle Ausschreibungen. Unser Umgang damit steht unter So arbeiten wir.
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