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Kampfsport

Von 47 bis 90 Kilo: die 17 Klassen im Profiboxen

Vom Mini-Fliegengewicht bis zum Schwergewicht: Welche Klasse welches Limit hat, warum die Grenzen in Pfund stehen und was beim Wiegen passiert.

Gewichtsklassen im Boxen: alle 17 Limits im Überblick
Gewichtsklassen im Boxen: alle 17 Limits im Überblick

Im Profiboxen gibt es 17 Gewichtsklassen – vom Mini-Fliegengewicht bis zum Schwergewicht. Jede Klasse hat eine exakte Obergrenze, die traditionell in Pfund festgelegt ist und erst danach in Kilogramm umgerechnet wird. Wer beim offiziellen Wiegen auch nur 100 Gramm darüber liegt, verliert im Zweifel das Recht, um einen Titel zu kämpfen. Diese Übersicht erklärt, welche Klassen es gibt, wie die Limits zustande kommen und warum ein Kämpfer am Kampfabend oft deutlich schwerer ist als am Vortag.

Warum es Gewichtsklassen überhaupt gibt

Boxen war im 19. Jahrhundert weitgehend klassenlos. Mit den Queensberry-Regeln setzte sich die Einsicht durch, dass Masse im Faustkampf ein kaum schlagbarer Vorteil ist: Ein schwererer Boxer trifft härter, steckt mehr ein und drückt im Clinch.

Gewichtsklassen sind deshalb in erster Linie eine Sicherheitsmaßnahme. Dass aus dieser Schutzidee im Lauf des 20. Jahrhunderts ein System mit 17 Abstufungen wurde, hat damit allerdings nur noch wenig zu tun – es hat mit Titeln zu tun. Mehr Klassen bedeuten mehr Weltmeister und damit mehr vermarktbare Kämpfe. Welche Verbände daran beteiligt sind, haben wir in unserer Übersicht zu WBA, WBC, IBF und WBO aufgeschlüsselt.

Die 17 Gewichtsklassen im Profiboxen

Die folgende Tabelle zeigt die Klassen in der Reihenfolge von leicht nach schwer, mit dem international gebräuchlichen englischen Namen, der deutschen Bezeichnung und dem Limit.

Klasse (deutsch) Englisch Limit (lbs) Limit (kg)
Mini-Fliegengewicht Minimumweight 105 47,6
Halbfliegengewicht Light Flyweight 108 48,99
Fliegengewicht Flyweight 112 50,8
Superfliegengewicht Super Flyweight 115 52,16
Bantamgewicht Bantamweight 118 53,52
Superbantamgewicht Super Bantamweight 122 55,34
Federgewicht Featherweight 126 57,15
Superfedergewicht Super Featherweight 130 58,97
Leichtgewicht Lightweight 135 61,23
Halbweltergewicht Super Lightweight 140 63,5
Weltergewicht Welterweight 147 66,68
Halbmittelgewicht Super Welterweight 154 69,85
Mittelgewicht Middleweight 160 72,57
Supermittelgewicht Super Middleweight 168 76,2
Halbschwergewicht Light Heavyweight 175 79,38
Cruisergewicht Cruiserweight 200 90,72
Schwergewicht Heavyweight unbegrenzt unbegrenzt
Grafik mit allen 17 Gewichtsklassen im Profiboxen und ihren Limits in Kilogramm
Von 47,6 Kilogramm bis nach oben offen: die Abstufung der Profiklassen.

Warum die Grenzen in Pfund stehen

Die krummen Kilogramm-Werte in der Tabelle sind kein Rundungsfehler. Das moderne Profiboxen wurde in den USA und in Großbritannien kodifiziert, wo in pounds gerechnet wird: 147 Pfund im Weltergewicht ergeben 66,678 Kilogramm – ein Wert, den niemand erfunden hätte, der metrisch gedacht hätte. Praktische Folge: Maßgeblich ist immer das Pfund-Limit. Eine Waage, die 66,7 Kilogramm anzeigt, kann einen Weltergewichtler bereits disqualifizieren, obwohl in vielen Medien 66,68 steht. Verbände schreiben deshalb geeichte Waagen mit definierter Auflösung vor.

Was „Super“ und „Halb“ bedeuten

Acht der 17 Klassen sind sogenannte Zwischenklassen, die erst im Lauf des 20. Jahrhunderts eingeschoben wurden. Im Englischen tragen sie fast alle das Präfix Super. Im Deutschen ist die Sache unübersichtlicher, weil sich zwei Benennungslogiken vermischt haben:

  • Super- heißt: oberhalb der Stammklasse. Superfedergewicht liegt über dem Federgewicht.
  • Halb- heißt: unterhalb der nächsthöheren Stammklasse. Halbweltergewicht liegt unter dem Weltergewicht.

Beides bezeichnet dieselbe Position im System. Halbweltergewicht und Super Lightweight sind identisch, ebenso Halbmittelgewicht und Super Welterweight. Wer beide Begriffe kennt, kann englische und deutsche Kampfankündigungen ohne Umrechnung lesen.

Das Wiegen: Termin, Toleranz, Konsequenzen

Das offizielle Wiegen findet bei Titelkämpfen in der Regel am Tag vor dem Kampf statt, meist zwischen 24 und 30 Stunden vor dem ersten Gong. Ablauf und Toleranzen sind in den Regelwerken der Verbände festgeschrieben:

  1. Erster Versuch. Der Boxer stellt sich auf die Waage. Liegt er auf oder unter dem Limit, ist die Sache erledigt.
  2. Nachwiegen. Liegt er darüber, bekommt er üblicherweise zwei Stunden Zeit, um das Gewicht zu erreichen – durch Schwitzen, Laufen, in Einzelfällen durch das Abschneiden der Haare.
  3. Verfehltes Limit. Schafft er es nicht, verliert er die Titelberechtigung. Der Kampf findet meist trotzdem statt, aber nur der Gegner kann den Gürtel gewinnen oder behalten. Zusätzlich greifen Geldstrafen, die vertraglich vereinbart sind.

Bei vielen Titelkämpfen kommt ein zweiter Kontrolltermin hinzu: ein Rehydrierungslimit am Kampfmorgen, das verhindern soll, dass ein Boxer über Nacht zweistellig zunimmt. Üblich ist eine Grenze von rund zehn Prozent über dem Klassenlimit.

Zeitstrahl vom offiziellen Wiegen bis zum Kampfabend mit Gewichtsveränderung
Zwischen Waage und Gong liegt ein voller Tag – und oft ein zweistelliger Gewichtsunterschied.

Gewicht machen – und was danach passiert

Der Begriff Gewicht machen beschreibt die letzte Phase der Vorbereitung, in der ein Boxer sein Wettkampfgewicht erreicht. Der größte Teil davon ist kein Fett, sondern Wasser: Durch reduzierte Flüssigkeitszufuhr, Salzentzug, Sauna und Schwitzanzüge lassen sich mehrere Kilogramm verlieren, die nach dem Wiegen binnen Stunden zurückkommen.

Ein Weltergewichtler, der mit 66,7 Kilogramm auf der Waage steht, kann am nächsten Abend mit 73 Kilogramm in den Ring steigen. Genau hier liegt das Problem, über das Ärzte seit Jahren streiten: Extremer Wasserverlust verringert das Volumen der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, die das Gehirn bei Schlägen abfedert.

Die gefährlichste Phase eines Boxkampfes beginnt nicht mit dem ersten Gong, sondern drei Tage davor auf der Waage.

Sinngemäß ein in der Ringarztliteratur häufig wiederholtes Argument für Rehydrierungsgrenzen

Deshalb haben mehrere Verbände und nationale Kommissionen die Kontrollen ausgebaut: zusätzliche Wiegetermine in den zehn Tagen vor dem Kampf, verbindliche Rehydrierungslimits und in einigen Ländern ärztliche Freigaben beim Klassenwechsel. Wie ein Kampf anschließend bewertet wird, steht in unserem Text zum 10-Punkte-System.

Amateurboxen: andere Klassen, andere Logik

Im olympischen Boxen gibt es deutlich weniger Klassen, und die Abstände sind größer. Der Grund ist organisatorisch: Ein Turnier muss in wenigen Tagen ausgetragen werden und hat eine begrenzte Zahl an Medaillenentscheidungen. Hinzu kommt, dass am Wettkampftag selbst gewogen wird – teils an jedem Turniertag. Extremes Gewichtmachen ist damit praktisch ausgeschlossen.

Die konkrete Einteilung hat sich zuletzt mehrfach geändert und hängt davon ab, welcher Verband ein Turnier ausrichtet. Verbindlich ist immer die Ausschreibung des Wettbewerbs, nicht eine ältere Übersicht. Die weiteren Unterschiede haben wir in Amateurboxen und Profiboxen zusammengestellt.

Cruisergewicht, Bridgergewicht und die Lücke nach oben

Zwischen Halbschwergewicht (79,38 kg) und Cruisergewicht (90,72 kg) liegen über elf Kilogramm – der mit Abstand größte Sprung im System. Darüber beginnt das nach oben offene Schwergewicht, in dem Kämpfer mit 95 und mit 125 Kilogramm aufeinandertreffen können.

Der WBC hat auf diese Lücke reagiert und 2020 eine zusätzliche Klasse eingeführt: das Bridgergewicht mit einer Obergrenze von 224 Pfund, also rund 101,6 Kilogramm. Die anderen drei großen Verbände sind dem bislang nicht gefolgt, weshalb diese Klasse in den meisten Übersichten fehlt. Wer eine Ankündigung mit dem Begriff liest, weiß nun: Es handelt sich um einen WBC-Titel zwischen Cruiser- und Schwergewicht.

Häufige Fragen

Darf ein Boxer die Klasse wechseln?

Ja, und es ist üblich. Viele Karrieren verlaufen über drei oder vier Klassen nach oben, weil der Körper mit zunehmendem Alter schwerer wird und das Gewichtmachen härter. Der umgekehrte Weg nach unten ist selten und gilt als riskant.

Was ist ein Catchweight?

Ein frei vereinbartes Limit zwischen zwei offiziellen Klassen, wenn zwei Boxer aus unterschiedlichen Klassen sich in der Mitte treffen. Um einen regulären Weltmeistertitel kann dabei meist nicht gekämpft werden.

Warum wiegen Schwergewichtler so unterschiedlich viel?

Weil es nach oben kein Limit gibt. Hier entscheidet die Praxis, nicht die Regel: Wer zu schwer wird, verliert an Tempo, wer zu leicht bleibt, an Durchschlagskraft. Das sinnvolle Fenster liegt bei den meisten Aktiven zwischen 100 und 115 Kilogramm.

Gelten dieselben Klassen auch in anderen Kampfsportarten?

Nein. MMA und Kickboxen haben eigene Systeme mit anderen Limits und anderen Namen. Wie sich die Regelwerke unterscheiden, zeigt unser Vergleich Boxen, Kickboxen und MMA.

Alle Angaben in diesem Text beziehen sich auf die Regelwerke der Weltverbände im Stand 2026. Ändert ein Verband ein Limit, aktualisieren wir die Tabelle – wie wir dabei vorgehen, steht unter So arbeiten wir.

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